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Kleiner Adventskalender der Wahrnehmung: 13. Dezember – Wert

Vielleicht kennst Du die Geschichte des Morse-Operators – sie spielt im New York der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dort wurde eine Stelle für einen Morse-Operator ausgeschrieben. Es erscheinen viele Männer um sich zu bewerben. Alle stehen ein der Wartehalle, im Hintergrund ist ein hämmerndes Geräusch zu hören, als ob dort Renovierungsarbeiten stattfinden.

Auch ein junger Mann kommt, hat die Wartenummer 254 und setzt sich bei den Wartenden hin. Wenige Minuten später steht er auf, geht den Gang entlang und ohne anzuklopfen durch eine Tür. Kurz danach kommt er wieder heraus, begleitet von einem älteren Herren, der den anderen wartenden mitteilt, dass sie nun gehen können, da die Stelle besetzt sei – und zwar wurde sie an den jungen Mann vergeben, der all die anderen Wartenden übersprungen hat.

Im ersten Moment klingt das sehr egoistisch vom Bewerber, allerdings hatte er als einziger die Morsesignale im Hämmern wahrgenommen und interpretiert: „Geh ohne zu warten und ohne anzuklopfen durch die Tür am Ende des Ganges und stell Dich vor“.

Der junge Mann hat also aufgrund seiner guten Wahrnehmung genau das richtige getan, und sich damit von allen anderen Bewerbern abgehoben. Und Wahrnehmung ist für einen Morse-Operator eine sehr wichtige Eigenschaft. Nur ein Mensch, der die leisen Signale im Hintergrund erkannte, war der richtige für die Stelle.

Aber nun zu unserer heutigen Wahrnehmungsübung: Schau heute einmal nach Dingen, die für Dich keinen Wert darstellen und sammle sie ein. Vielleicht ist das ein Flaschenverschluss, ein Stein, ein Blatt, ein Zettel mit unwichtigem Gekritzel. Und am Ende des Tages versuche einmal, zu all diesen Dingen eine tolle spannende Geschichte zu erfinden. Viel Spass beim Finden, Erfinden und Erzählen!